Mittwoch, 12. August 2015

Meine Must-See's in Irland

Gut eine Woche ist es nun her, dass ich der kleinen grünen Insel, die ich sechs Monate lang „zu Hause“ nennen durfte, meinen Rücken gekehrt habe – vorerst. So ganz in einem Kopf angekommen ist das noch nicht, und den einen oder anderen Irland-Post müsst ihr wohl noch aushalten. :-)
Wer diesem Land und seinen humorvollen und sympathischen Bewohnern noch keinen Besuch abgestattet hat, sollte das schleunigst nachholen. Ich für meinen Teil habe mich verliebt: in das Landschaft, die Menschen, das Lebensgefühl, die Pubkultur. Und weil Liebe ja bekanntlich wächst, wenn man sie teilt, bekommt ihr hier meine persönlichen top Must-See’s Irlands - um euch etwas Lust auf dieses Land zu machen, oder um euch Anregungen bei der Reiseplanung zu geben. Und während ihr das lest, genieße ich das einzige, was man in Irland leider nicht bekommen kann: Sommer.



1. Killarney Lakes

Der Killarney Nationalpark ist einer der sehenswertesten Nationalparks Irlands, und definitiv der, der am einfachsten ohne Auto zu erreichen ist. Nur ein etwa 20 minütiger Fußweg liegt zwischen dem Stadtzentrum Killarneys und dem Eingang in den Nationalpark. Dort lässt sich dann gut ein Tag verbringen, oder auch mehr, falls man eine mehrtägige Wanderung, etwa entlang des Kerry Ways, plant. Das Herz des Killarney Nationalparks sind die Killarney Lakes: der Upper Lake, der Muckross Lake und Lough Leane – inmitten einer wunderschönen Berglandschaft. Ein besonders schönes Panorama erhält man vom Ladies View. Lauft einfach drauf los und lasst euch treiben, von den Wäldern, den Seen und den Bergen. Zurück kommt man immer irgendwie. Vielleicht erreicht ihr ja sogar den Torc Wasserfall…




2. Ring of Kerry

Ja ich weiß, der Ring of Kerry ist super touristisch und sicherlich kein Geheimtipp mehr. Aber es hat eben auch immer einen Grund, warum viele Touristen alle den gleichen Ort aufsuchen. Und hier ist das, Überraschung: die einzigartige Szenerie. Im Südwesten des Landes führt diese Route einmal um die Halbinsel Iveragh herum. Grüne Hügel, blaues Meer - alles was ihr in Irland sucht findet ihr auf dem Ring of Kerry in seiner strahlendsten Pracht. An einigen Stellen ist das Meer so türkis und der Sand so weiß, dass ich sogar kurz per GPS geprüft habe, ob ich auch wirklich immer noch in Irland bin… War ich. Das Wetter kann hier sehr schnell umschwingen, aber auf jeden Regenschauer folgt auch immer wieder leuchtender Sonnenschein. Wir haben entlang der Route einen Zwischenstopp bei einem Schäfer und seiner Herde eingelegt, der uns die Künste seiner Schäferhunde und die Dummheit (sorry) seiner (trotzdem süßen) Schafe hautnah präsentiert hat. Aufschreiben und einplanen!




3. Cliffs of Moher

Schon wieder so ein Nicht-Geheimtipp. Aber es sind halt wirklich die beeindruckendsten Klippen Irlands! Ich saß eine gefühlte Ewigkeit einfach am Rand, ließ die Beine baumeln und staunte über diese Schönheit von Landschaft. Es braucht gar nicht viele Worte, fahrt einfach hin, ignoriert die anderen 1000 Touristen und genießt die Aussicht!




4. Giant's Causeway

Der irische Riese Fionn MacCumhaill vermisste seine Geliebte, welche auf der schottsichen Insel Staffa lebte, so sehr, dass er beschloss einen Damm zu bauen, um zu ihr zu gelangen und sie zu sich holen zu können -  den „Damm der Riesen“. So viel zur Legende. Heute ist der Giant’s Causeway, bestehened aus etwa 37.000 unterschiedlich hohen, meist sechseckigen Basaltsäulen, Weltkulturerbe. Sie sind tatsächlich Werk der Natur und entstanden, in den Augen derer, die nichts auf Legenden geben, durch eine vulkanische Eruption vor etwa 60 Millionen Jahren. Aber genug Fakten jetzt – dieser Ort ist faszinierend, diese Naturbegebenheit scheint voller Wunder.




5. Glendalough

Glendalough ist eine alte Klosterruine aus dem 6. Jahrhundert. Weswegen ihr aber dorthin fahren solltet, ist die umgebende Landschaft. Von den Ruinen aus geht es am Lower Lake entlang zum größeren Upper Lake; beide Seen in einem friedvollen, romantischen Tal inmitten der Wicklow Mountains gelegen.





6. Connemara

Connemara ist wohl die Gegend, die mich am meisten beeindruckt hat – weil ich eine solche Schönheit von Landschaft dort überhaupt nicht erwartet habe, hatte ich doch zuvor die Topsehenswürdigkeiten á la Cliffs of Moher, Giant’s Causeway etc. schon abgeklappert. Auch das miese Wetter konnte meine Faszination von diesem Stück Erde nicht mindern. Connemara steht für schroffe Berge, einsame Täler, dunkle Seen – doch wohin man auch blickt, alles scheint eine Geschichte erzählen zu wollen. Selbst bei strömendem Regen findet man hier pure Schönheit.




7.  Wicklow Mountains

Ihr habt doch sicherlich alle "P.S. Ich liebe dich" gesehen und erinnert euch an die Szene, wo Holly sich in Irland verläuft und dabei zum ersten Mal Gerry begegnet? Das war mitten in den Wicklow Mountains. Wicklow besticht vielleicht nicht mit weltkulturerbtauglichen Highlights, aber mit simpler irischen Landschaft: weiche Hügel, uralte Steinmauern, eine Million Schafe und alles ist grün, grün, grün. Irland aus dem Bilderbuch





Lust auf Irland bekommen? Oder wart ihr sogar schon einmal dort? Was waren eure persönlichen Highlights?

Montag, 20. Juli 2015

Quote of the Week #16


"Goodbyes are only for those who love with their eyes. Because for those who love with heart and soul, there is no seperation." 
- Rumi






Weil wir alle und alles, was uns lieb und teuer ist, doch immer im Herzen dabei haben. Egal wo wir sind und wohin wir gehen. Weil Entfernung dadurch unwichtig wird. Weil den tausend Abschieden unseres Lebens - ob auf Dauer oder vorübergehend - so die Macht über uns genommen wird. Weil es auf das ankommt, was du im Herzen mitnimmst, und nicht nur das, was direkt vor deinen Augen ist. 




Mittwoch, 8. Juli 2015

Und plötzlich war er da, dieser Ernst



Hin und wieder wurde mir mal von ihm erzählt, diesem Ernst. Ernst des Lebens nennt er sich. Persönlich getroffen hatte ich ihn bisher immer nur flüchtig. Es war Anfang Februar diesen Jahres, als er dann plötzlich bei mir anklopfte. „Miri“, sagte er, „es wird Zeit, dass wir beide uns mal besser kennenlernen.“ Und seitdem ist es erstmal dahin mit meinem geliebten Studentenleben. Stattdessen befinde ich mich am Set von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Aufstehen, Arbeiten, Feierabend, Schlafen, Aufstehen, Arbeiten, Feierabend… Fünf Tage Arbeiten, 2 Tage frei. 

Statt mittags äh morgens schnell in den Kapuzenpulli zu schlüpfen, die Haare zweckmäßig irgendwie zusammenzubinden, sich für die etwas ausgelatschten aber doch so bequemen Chucks zu entscheiden und auf Mascara mal zu verzichten, weil – ist ja nur für diese eine Vorlesung, ziehe ich blaue Jeans jetzt nur noch am Casual Friday an und Chucks oder Sneakers wurden dem Alltagsoutfit auch gestrichen. Mein Verbrauch an Abschminktüchern ist stark erhöht und ich ziehe tatsächlich in Erwägung, mir Concealer zuzulegen – Schlafmangel lässt sich wohl auf Dauer doch nicht mit Koffeinkonsum bekämpfen.

Aus „komm ich heute nicht komm ich morgen“ und spontan planbaren Tagesabläufen wurde ein geregelter, strukturierter Alltag. Um 7:40 Uhr (morgens!) klingelt der Wecker, damit ich pünktlich um 9:00 Uhr im Büro am Schreibtisch sitze, kurz die Mails checke und mir dann den ersten grünen Tee des Tages koche. Mittagspause ist dann um 12:30, es folgt ein weiterer Tee und um 17:30 heißt es: Feierabend. Dazwischen arbeite ich also. Ohne Smartphone in der Hand und Facebook ist auch nicht geöffnet. Ja, das scheint wirklich zu gehen!
Sich Dienstagmorgens zum ausgiebigen Frühstück zu verabreden ist erstmal nicht mehr, genauso wenig wie am Nachmittag spontan Kaffeetrinken zu gehen. Davon, dass auch feiern gehen unter der Woche jetzt flachfällt, weil ein Kater an einem achtstündigen Arbeitstag noch uncooler ist als in einer 90-minütigen Vorlesung, brauche ich gar nicht anfangen.

Die ersten zwei bis drei Wochen fragte ich mich somit jeden Abend, wo es hin ist, mein Leben. Vermisste die Uni und entschied ziemlich schnell, den Master definitiv noch zu machen. Ich verließ in der Dämmerung das Haus und kam im Dunkeln zurück. Zu platt um mehr zu tun als noch was zu essen und einen Film zu schauen, fiel ich spätestens um 22 Uhr todmüde ins Bett. Um dann morgens wieder vom Murmeltier geweckt zu werden… Plötzlich lebte ich wieder ab montags dem Wochenende entgegen, nachdem ich zwei Jahre lang regelmäßig vergessen hab, welcher Wochentag gerade war – ob Sonntag oder Mittwoch war erkannte ich nur daran, ob die Geschäfte geöffnet waren oder nicht. Plötzlich wartete ich vormittags auf die Mittagspause und fieberte nachmittags dem Feierabend entgegen. Plötzlich war alles ein bisschen mehr erwachsen, ein bisschen zu erwachsen?

Doch jetzt, nach 5 Monaten, wo das Ende meines Praktikums jeden Tag näher rückt, freue mich morgens über die Vögel die mich mit ihrem Gezwitscher wecken, gehe gerne ins Büro, verspüre ich morgens sowie nachmittags Spaß an der Arbeit, und bin um 17:28 Uhr ganz überrascht, dass schon wieder Feierabend ist. Mittlerweile mag ich meinen geregelten Alltag, ärgere mich nicht mehr darüber, dass erst Mittwoch ist, und genieße dennoch in vollen Zügen das Ausschlafen am Samstag. Mittlerweile klingt das „Guten Morgen!“ in der Früh genauso wenig gequält wie das „Bis morgen!“ am Abend. Dieser Ernst und ich, wir können vielleicht wirklich noch Freunde werden.


Aber bis dahin nenne ich mich ab September erstmal wieder Vollzeitstudent. 

Sonntag, 5. Juli 2015

10 things to do when in Dublin

Dublin ist die Hauptstadt eines Landes, dass mir sehr schnell sehr ans Herz gewachsen ist - Irland. Ein Land, dass mit seiner wunderschönen Landschaft überzeugt - doch was kann Dublin, eine Millionenstadt auf der kleinen grünen Insel im Atlantik? Lohnt sich ein Städtetrip dorthin? Ich habe ein halbes Jahr bei den verrückten aber liebenswerten Iren leben dürfen und erzähle euch hier von meinen persönlichen Highlights Dublins und gebe euch Tipps für einen Urlaub in dieser einzigartigen Stadt. 


1. Nicht ins Guinness Storehouse oder die Jameson Distillery gehen
Jeder Reiseführer, den ihr lest, wird euch das Gegenteil erzählen. Aber glaubt mir – lasst es bleiben! 18€ für das Guinness Storehouse und 15€ für die Jameson Distillery sind meiner Meinung nach klare Touristenabzocke – auch wenn darin ein Pint bzw. ein Glas Whiskey enthalten sind. Geht lieber in einen der vielen urigen Pubs und trinkt euer Guinness dort – in definitiv authentischerer Atmosphäre. Einzig wenn ihr einen Gutschein habt oder es aus Eimern gießt könnt ihr nochmal darüber nachdenken einer der beiden ach so hochgelobten Touristenattraktionen einen Besuch abzustatten.



2. Irland’s ältesten Pub besuchen – The Brazen Head
Wo wir gerade von Guinness und Pubs reden – ab in den Brazen Head Pub mit euch! Einer meiner Lieblingspubs in Dublin und noch dazu Irland‘s ältester Pub – eröffnet im Jahre 1198 und unweit der Christchurch Cathedral gelegen. Das Flair ist einzigartig, typischer Irisch geht’s nicht mehr! Wenn ihr zur richtigen Zeit geht, könnt ihr auch tolle Livemusik erleben, und sollte euch der Hunger packen, kann ich euch das Guinness Beef Stew nur empfehlen. Ich war sechs Monate lang fast jeden Freitagabend da, ich weiß also wovon ich rede…



3. Räder ausleihen im Phoenix Park
Der Phoenix Park ist der größte umzäunte Stadtpark der Welt – ja genau, größer als der Central Park in New York. Dementsprechend schafft man es zu Fuß kaum in angemessener Zeit bis ans Ende des Parks, daher: ab auf die Räder! Direkt am Eingang des Parks kann man sich ein Fahrrad für 5€ / 3 Std ausleihen. Also auf den Sattel schwingen und an den schönsten Ecken des Parks vorbeiradeln, entlang kleiner Seen, großen Wiesen und einer Herde Rehe! Am Ende des Parks gibt es ein kleines Boat House Café, wo man sich zur kleinen Stärkung einen 1A-Eiskaffee gönnen kann. Weitere Highlights des Parks: Der Wohnsitz des irischen Präsidenten, das Haus des amerikanischen Botschafters (sieht dem Weißen Haus sogar etwas ähnlich..), ein riesiges auf einen Hügel gebautes Kreuz, ein Monument, dass wie eine etwas kleinere Version des Washington Monuments in Washington DC ausschaut, und ein wunderschöner Rosengarten.




4. Über den Moore Street Market schlendern
„10 Bananas – 1 Euro!“ – „15 Apples – 1 Euro!“ – „Strawberries – 1 Euro!“ Leute, glaubt mir: man muss es erlebt haben! Auf dem Moore Street Market, der jeden Samstag stattfindet, schreien sich die Marktfrauen in gebrochenem Englisch die Seele aus dem Hals und wetteifern darum, wer sein Obst am günstigsten unter den Mann bringen kann. Die Preise sind unschlagbar und günstiger als in jedem Discounter – die Qualität wenn man Pech hat aber leider dementsprechend. Aber selbst wenn man seinen Wocheneinkauf woanders erledigt, für die Unterhaltung ist der Moore Street Market und seine Marktschreie ein Muss!



5. Einen Scone essen
Wenn man mich fragt, was man essensmäßig in Dublin probieren sollte, so antworte ich als alter Fischbanause natürlich nicht mit Fish & Chips, so wie das andere vielleicht tun würden. Stattdessen sage ich: Bestellt euch zum Nachmittagskaffee einen Scone mit Butter & Marmelade dazu! Ich habe ja hier schon einmal davon geschwärmt.



6. Ins Third Space Café gehen
Third Space is a place for local people to gather & eat easily, inexpensively & regularly, with space for creative, cultural and community activities.– So heißt es auf der Website des Cafés der besonderen Art, welches im schönen Stadtteil Smithfield gelegen ist. Wohl mein Stammcafé während meiner Zeit in Dublin! Und das nicht nur wegen der leckeren Muffins oder dem guten Kaffee (was aber auch der Fall ist), sondern auch, weil man sich so herzlich willkommen fühlt in diesem Café. Es organisiert diverse Veranstaltungen, Dinners, bietet ausreichend Platz für Meet-Ups und läd einfach zum Verweilen ein – es gibt sogar ein kleines Bücherregal, aus dem man sich Bücher nehmen darf, sofern man im Gegenzug andere hineinstellt.

7. Der Livemusik im Norseman Pub lauschen
Livemusik gibt es in Dublin zwar in fast jedem Pub, aber besonders gut hat sie mir im Norseman Pub im Herzen des Temple Bar Viertels gefallen. Keine ganze Band sondern bloß ein oder zwei Sänger mit ihren Gitarren, die die besten Pubschlager des letzten Vierteljahrhunderts zum Besten geben, ein Klassiker folgt auf den nächsten. Mit kühlem Bier in der Hand und guten Freunden dabei dazu mitschunkeln (und mitgrölen), und der Freitagabend ist perfekt.

8. Gaelic Football gucken
Das Croke Park Stadium ist das „Home of Gaelic Games“ und nebenbei das viertgrößte Stadion Europas. Seid ihr in Dublin zu Besuch, solltet ihr auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen und ein Gaelic Football Spiel anschauen! Das ist eine Mischung aus Rugby, Fußball und Handball – aber definitiv lustig anzuschauen und ein echtes irisches Erlebnis. Tickets gibt es recht günstig, meist ab 10€. Den Stadionbesuch kann man dann auch gleich mit einer Skyline Tour auf den Dächern des Stadions verbinden, bei der man (bei gutem Wetter) herrliche Aussichten über die Stadt hat!




9. In die Marsh's Library gehen
Spart euch die langen Warteschlangen vor der Trinity Library und geht stattdessen zur kleineren Marsh’s Library. Diese liegt etwas versteckt neben der St Patrick’s Cathedral und kostet gerade einmal 3€ Eintritt. Sie wurde im Jahr 1707 eröffnet und war damals die erste öffentliche Bibliothek Irlands. Die Bücher durften jedoch nicht ausgeliehen werden, sondern es gab kleine Lesekabinen in die man mit den Büchern eingeschlossen wurde, solange man sie studieren wollte. Noch heute besteht die Originaleinrichtung und über 25.000 Werke aus den letzten Jahrhunderten stehen in den Regalen – dieser Geruch uralter Bücher ist einzigartig!




10. Ans Meer fahren
Dublin ist eine tolle und lebenswerte Stadt, das steht außer Frage, aber sobald ihr mehr als zwei Tage Aufenthalt habt: Haltet euch einen Tag davon frei für einen Ausflug ans Meer, an die wunderschöne irische Küste. Egal ob Howth im Norden der Stadt oder Bray im Süden – ihr werdet es nicht bereuen. Beide Orte sind gut mit dem Dart (Dublin Area Rapid Transit) zu erreichen, die Fahrt dauert etwa 20-30 Minuten und ein Return Ticket kostet ca. 6€. 
 
Bray
Howth


Donnerstag, 2. Juli 2015

Ich wollte nie erwachsen sein



Aber ich wurd ja nicht gefragt.

Ich wollte immer bloß groß genug sein, um mir die Welt anzugucken, aber nie so groß, dass mir dazu Zeit und Geld fehlen könnte.

Ich wollte immer frei sein, und selbständig, aber nie habe ich mir gewünscht Arbeitsverträge und Mietrecht in mein Alltagsvokabular aufnehmen zu müssen.

Ich wollte immer die große Liebe finden, aber nie war davon die Rede, dass Prinz Charming, nachdem er Dornröschen wachgeküsst hat, auch sagen könnte „Oh, doch nicht die Richtige“.

Wollte immer mein eigenes kleines Reich haben, aber habe bis dahin doch nie eingesehen, dass sich der Haushalt nicht von alleine schmeißt.

Habe immer einen auf Indianer gemacht, aber dann war Mama plötzlich zu weit weg, um mir kurz einen Tee zu kochen und die Wärmflasche zu bringen.

Wieso folgt in dieser Erwachsensenwelt auf so vieles ein „aber“?


"Don't grow up. It's a trap."
- Peter Pan


Die Kindheit scheint rückblickend wie eine einzige große Party: all deine Freunde wohnen im Umkreis von maximal 1 km, ihr streitet um Ken und darum, wer das letzte Stück Schokolade bekommt. Heute bietet man dieses natürlich höflich dem Anderen an, wir sind ja alle so nett zueinander. Und Ken kann mitunter auch mal echt und lebendig sein.

Wenn du nicht weißt, wo du nächstes Jahr bist und was du nach deinem Studium machst, oder wenn du weniger als ein Mal die Woche Nachrichten guckst, dann verlasse besser nicht das Haus oder verhalte dich wenigstens so still wie möglich.


Und genau deswegen lebe ich für die Momente, in denen ich freudetrunken abends auf dem Spielplatz herumtolle, in denen ich mich in völlig sinnfreien Konversationen verliere und in denen ich einfach mal nicht an morgen oder übermorgen denke.


Diese Erwachsenenwelt kann manchmal so unfassbar ernst wirken. Als gäbe es am Ende einen Preis für die mit dem besten und lückenlosesten Lebenslauf, und maximal eine Flasche Seifenblasen als Trostpreis für die, die es vielleicht nicht zum vorstädtischen Einfamilienhaus mit BMW in der Einfahrt geschafft haben. Als würde es hier um mehr gehen, als einfach zu leben und glücklich im Moment zu sein.

Mittwoch, 13. Mai 2015

he's just not that into you



Manche Wahrheiten will man sich einfach nicht eingestehen. „Er steht einfach nicht auf dich“ ist wohl eine davon. Statt ihr ins Gesicht zu blicken, ratschlagt man lieber stundenlang mit Freundinnen, sucht und erfindet Entschuldigungen wie Ausreden, und macht sich selbst immer wieder Hoffnung. Weil nichts frustrierender ist als die Einsicht: Er steht einfach nicht auf mich. Und wieso auch sollte jemand NICHT auf uns stehen?
Hollywood hat dieses Dilemma 2009 dargestellt und ich habe erst vor einigen Wochen erfahren, dass der Film auf einem Buch beruht. In diesem erläutert Greg Behrendt, einst Consultant für „Sex and the City“, seine männliche Sichtweise – ehrlich, direkt und ohne Rücksicht auf Gefühle. Seine Antwort auf jegliche Beziehungsprobleme – he’s just not that into you. Wenn er dich nicht nach einem Date fragt – steht er halt nicht auf dich. Wenn er dich betrügt – steht er halt nicht auf dich. Wenn er nicht anruft – steht er halt nicht auf dich. Wenn er Angst vor einer festen Beziehung hat – steht er einfach nicht auf dich. Bei Greg gibt’s kein grau, es gibt nur schwarz oder weiß. Entweder er steht auf dich oder eben nicht. Klingt nüchtern betrachtet auch erstmal ganz logisch.

„Shitty relationships make you feel shitty,
and that’s not what you were put on this earth for.“

Ja Greg, ich weiß, wenn jemand nicht aufhören kann an mich zu denken, dann wird er sich früher oder später bei mir melden. Er wird sich Mühe geben und Versprechen einhalten. Blabla. Aber es ist dieses Schwarz-Weiß-Denken, was mich stört. Denn nicht jede Beziehung ist gleich, ebenso wenig wie jeder Mensch – Mann – gleich ist. Oder?

Was Greg nicht will, ist dass wir Frauen uns zuerst bei dem Mann melden. Warum nicht? Ich dachte, wir leben im 21. Jahrhundert? Muss manchmal nicht vielleicht auch die Frau den Mann auf sich aufmerksam machen?

Und jetzt klinge ich vielleicht wie eine von den verzweifelten Frauen, deren Briefe Greg in seinem Brief mit der immer gleichen Aussage beantwortet: He’s just not that into you. Aber: Vielleicht ist er ja einfach zu schüchtern, um auf mich zuzugehen. Vielleicht hatte er ja wirklich kein Internet, und hat trotzdem an mich gedacht. Vielleicht ist er ja wirklich geprägt von vergangenen Beziehungen, und braucht einfach etwas Zeit. Vielleicht hat er ja wirklich nicht über sein Verhalten nachgedacht.

„You are exceptional,
but not the exception.“

Greg gibt zwar zu, dass es diese Ausnahmen sehr wohl geben mag – aber er möchte, dass wir uns nicht in dem Glauben an die Ausnahme verrennen sollten. Sondern lieber davon ausgehen, die Regel zu sein. Das spart Zeit und am Ende Tränen, kostet aber erstmal eine Menge Mut und Überwindung. Es ist nicht leicht sich einzugestehen, dass Gefühle manchmal einfach nicht erwidert werden. Nur weil wir ihn gerade für den coolsten Typen auf Erden halten, sieht er in uns vielleicht nicht gleichzeitig auch seine Traumfrau. Vielleicht schreibt er wirklich nicht direkt zurück, weil er zu beschäftigt ist oder sich interessant machen will. Wahrscheinlicher ist aber, dass es ihm einfach nicht wichtig genug ist. Er einfach nicht genug auf uns steht.

„Don’t waste the pretty.“

Was Greg uns daher auf 200 Seiten versucht klar zu machen, ist Folgendes: Wir sollten uns für all die Ausreden, all das Warten, all das Hin und Her Überlegen, all die vorhersehbaren Enttäuschungen viel zu schade sein. Wir haben all das nicht nötig. Und wollen wir das wirklich? Unsere Zeit vergeuden, in dem wir auf ihn warten, an ihm verzweifeln, alles analysieren und interpretieren, für nichts und wieder nichts? Wenn er uns nicht will, dann ist er es, der was verpasst. Jemand, der uns will, wird alles dafür tun uns auch zu bekommen. Sobald er uns nicht mehr glücklich macht, wir nicht mehr wir selbst sind, sollten wir ihn gehen lassen.

Aber was dann?

Greg tut so, als gäbe es für jeden von uns den perfekten Mann da draußen, der nur darauf wartet, uns endlich kennenzulernen. Und dieser perfekte Mann wird uns anrufen, uns schreiben, uns zum Essen einladen, eine feste Beziehung wollen, uns nie betrügen, und allgemein einfach keine Fehler machen. Aber ist perfekt nicht langweilig? Wer will schon diesen perfekten Mann ohne Makel? Liegt nicht gerade im Unperfekten der Reiz, dieses gewisse Etwas? Wollen nicht auch wir Frauen einen Mann erst von uns überzeugen müssen? Ist es nicht langweilig, wenn von Anfang an alles nach Plan läuft?

Ich will keinen perfekten Mann, auch keine perfekte Beziehung. Perfektion, sollte sie überhaupt existieren, macht mir Angst. Aber ich will einen Mann, der mich zu schätzen weiß. Dem ich etwas wert bin. Und der mir das auch zeigt. Denn, und genau da liegt Greg’s Punkt, alles andere ist Zeitverschwendung. Ganz egal, ob er letztendlich zu den Ausnahmen zählt oder nicht: Solange er uns nicht so behandelt, wie wir es uns wünschen, hat er unsere Aufmerksamkeit schlichtweg nicht verdient. Und diese Einsicht ist unglaublich befreiend und erleichternd.

„…because I believe in love the verb, not the noun.“


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